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Gestern Eröffnung - Heute Tag der offenen Tür im Nationalpark-Zentrum "

WLZ-FZ am 19 Januar 2008: Lokalteil

Große Portion Mut bewiesen"

Heute ist Tag der offenen Tür, gestern wurde gefeiert und gelobt: Mit der spektakulären Enthüllung der Exponate im Ausstellungsraum "WaldWerk" übergab Ministerpräsident Roland Koch gestern in einer Feierstunde das Nationalpark-Zentrum seiner Bestimmung. Das transparente Baumhaus wird nun täglich seine Türen öffnen und den Besuchern die Schätze der Wildnis aus dem Nationalpark Kellerwald-Edersee auf faszinierende Weise präsentieren. Die Präsentation ist deshalb faszinierend, weil sie Lust macht auf mehr - und diesen Erfolg weisen nur wenige Ausstellungen auf.

Darauf machte auch Nationalparkleiter Peter Gaffert gestern in seiner Rede zur feierlichen Eröffnung des Nationalpark-Zentrums aufmerksam: "Wir haben auf Vitrinen, ausgestopfte Tiere und ausufernde Erklärungen verzichtet, haben den belehrenden Zeigefinger in der Tasche belassen und ganz bewusst als Medium die virtuelle Welt genutzt. Wir wollen den Besuchern dieses Hauses Lust machen auf mehr: auf die "echte" Natur, die Natur im Nationalpark." Gerade um bei jungen Besuchern anzukommen, sei es wichtig, Inhalte zeitgemäß zu kommunizieren. Das sei kein leichtes Unterfangen; schließlich trete die Ausstellung gegen Gameboy, Computerspiele, MP3-Player und Lara Croft an. Im Nationalpark-Zentrum werde eine Atmosphäre geschaffen, der Forscherdrang wecke und die Natur verständlich mache, unterstrich Gaffert und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement."Der heutige Tag wäre nicht möglich, hätte nicht ein jeder sein Bestes geben und, ich weiß es von vielen, mit Herzblut an der Sache gearbeitet."

Nach einer Bauzeit von 19 Monaten fielen der erste Jahrestag des Sturms Kyrill und die Eröffnung des Gebäudes gestern eher zufällig zusammen. "Wir eröffnen ein ungewöhnliches Nationalpark-Zentrum, mit dem Menschen eine gehörige Portion Mut bewiesen. Und vom üblichen Weg abwichen. Und wenn nicht bereits dieser wütende Sturm den Namen okkupiert hätte, dann würde ich dem Haus am liebsten den Namen Kyrill geben, denn dieser bedeutet: Der Herrliche", schwärmte Gaffert. Das Zentrum sei ein wichtiger Meilenstein für den Nationalpark Kellerwald-Edersee - aber nicht der erste Stein, erinnerte Ministerpräsident Roland Koch, der die Ausstellung gestern eröffnete, an die langen Auseinandersetzungen vor der Ausweisung des Nationalparks, die schließlich 2004 erfolgte. Das moderne Haus zeige, dass man nicht nur erhalten, sondern vor allem zukunftsweisend gestalten wolle, sagte Koch "Danke an alle, die mitgewirkt haben".

Angesichts der Kosten von sieben Millionen Euro - fünf für das Haus, zwei für die Ausstellung - sagte Koch: "Diese Summe können wir nicht überall einsetzen. An dieser Stelle ist es uns das aber wert." Das Zentrum werde den Nationalpark ins rechte Licht rücken. Viel Arbeit liege noch vor dem Nationalparkamt, zielte Koch ab auf die Stärkung des Natur-orientierten Tourismus und die Verkehrserschließung. Es sei wichtig, "auch unter Einbeziehung der Bahnlinie bis nach Herzhausen zu kommen", sprach er das viel diskutierte Thema "Kurhessenbahn" an: "Die Sache muss angesichts betriebswirtschaftlicher Zwänge mit Augenmaß angegangen werden, aber wir sollten sie nicht einfach abschreiben." "Sich mit ganzer Kraft für eine Wiederinbetriebnahme der Bahnverbindung Frankenberg - Korbach einzusetzen, damit der Nationalpark vom Süden und Norden über die Schiene erreicht werden kann", bat der Vöhler Bürgermeister Harald Plünnecke die Verantwortlichen.

"Wir sind froh, dass wir dieses ökologische Großprojekt realisieren durften", unterstrich er und dankte allen, die dem Projekt Leben eingehaucht haben. Mittlerweile seien fast alle kritischen Stimmen verstummt, die Menschen seien "stolz darauf, dass gerade unsere Region Standort für einen Nationalpark geworden ist", forderte Plünnecke Einheimische und Gäste auf: "Kommen Sie hierher und nehmen Sie das Nationalpark-Zentrum in Besitz. Es wurde für Sie errichtet." Es sei "wichtig, dass wir gemeinsam daran arbeiten, dass die Naturlandschaft in Deutschland wieder ein Teil unserer besonderen Identität wird", hob Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär Deutsche Bundesstiftung Umwelt (BDU), hervor. Die BDU hatte die Ausstellung mit einer Million Euro mitfinanziert. Das Haus mit seiner Ausstellung sei "ein Juwel, das in ganz Deutschland Beachtung finden wird". Die Eröffnung wurde abgerundet mit Musik, mit Führungen durch die Ausstellungsräume und die Möglichkeit, den im Nationalpark gedrehten Film im Sinnekino zu erleben.

Am Nachmittag nutzten Gemeindevertretung, -vorstand und Ortsvorsteher der Vöhler Kommune die Gelegenheit, das Zentrum zu besuchen. Auch Vertreter der französischen Partnergemeinde Mouchard waren eigens zur Eröffnung des Hauses nach Herzhausen gereist.

Von Marianne Dämmer

Bilder : Christian Richters

http://www.wlz-fz.de